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ZAM bei Lenze: Kundenindividuelle Produkte bei hoher Profitabilität

Das Innovationsnetzwerk Zukunftsallianz Maschinenbau (ZAM) verfolgt das Ziel, insbesondere kleine und mittelgroße Unternehmen aus den Bereichen Maschinenbau und industrielle Automatisierungstechnik im globalen Wettbewerb zu unterstützen.

Ein regelmäßiger Wissens- und Erfahrungsaustausch über den Reifegrad neuer Technologien und praxisbewährte Lösungskonzepte soll den Mitgliedsunternehmen kontinuierlich werthaltige Innovationsimpulse geben.

Anfang Februar kam die ZAM bei der Firma Lenze im niedersächsischen Aerzen zusammen, um die Frage zu diskutieren, wie sich immer kundenindividuellere Produkte bei gleichzeitig hoher Profitabilität anbieten lassen.

„Kennen Sie auch die Situation, dass die Nachfrage nach Ihren Produkten immer individueller wird? Und gleichzeitig leben wir in Zeiten wirtschaftlichen Drucks. Vielleicht fragen Sie sich, wie dieses Feld profitabel bewirtschaftet werden kann?“ – Frank Meier, CTO, Lenze SE

In den Räumen des Unternehmens trafen sich neben Mitgliedern der ZAM auch zahlreiche Gäste aus verschiedenen Branchen, beispielsweise Getriebebau NORD, einer der Branchenführer für mechanische und elektrische Antriebstechnik, MIELE, der weltbekannte Hersteller von Haushaltsgeräten, Mediseal, Teil der Körber-Gruppe und Anbieter für Verpackungslösungen in der Pharma-Industrie, oder HARTING Electronics, weltweit führender Anbieter von industrieller Verbindungstechnik.

Zukunftsallianz-Maschinenbau-Modularisierung

Kundenindividuell, innovativ und profitabel

Die Herausforderungen sind klar: die Innovationsgeschwindigkeit zu steigern, diversifizierte Kundenanforderungen auf globalen Märkten zu erfüllen und die damit verbundene Variantenvielfalt zu handhaben – gleichzeitig aber auch die Profitabilität zu steigern.

Um das alles zu meistern, müssen Geschäftsprozesse hinterfragt und zielgerichtet angepasst werden. Die notwendige Transformation betrifft häufig das ganze Unternehmen. Lösungen müssen ganzheitlich sein, Silodenken funktioniert nicht mehr.

Im Rahmen des ZAM-Treffens bei Lenze gaben einige Unternehmen Einblick, wie sie diesen Herausforderungen begegnen und wie sich die Zielkonflikte mit einem modularen Baukasten lösen lassen.

Mediseals modulare Verpackungsmaschinen und Scanias Erfolgsrezept

Neben interaktiven Workshops und Networking standen auch aufschlussreiche Erfahrungsberichte einiger Teilnehmer auf dem Programm. Die Vorträge von Dr. Cord Schmidthals von Mediseal und von Dr. Leif Östling, vormals CEO von Scania, haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Dr. Cord Schmidthals, Mediseal:
Globale Kundenanforderungen profitabel managen – Ein Erfahrungsbericht aus dem Maschinenbau

Wann ist die Modularität abgeschlossen? Und wo sind ihre Grenzen? Diesen Fragen widmete sich Dr. Cord Schmidthals von Mediseal in seinem Vortrag. Er gab einen Einblick in den Status der Modularisierung bei Mediseal. Mit einem ganzheitlichen unternehmerischen Ansatz, der vom Kundenbedarf ausgeht, hat sich Mediseal vorgenommen, Durchlaufzeiten, Kosten und Aufwand erheblich zu verringern. Gleichzeitig will Mediseal die Kundenzufriedenheit und die für den Kunden angebotene Produktvielfalt erhöhen.

Diese ambitionierten Ziele geht das Unternehmen mit einer modularen Produktstruktur an und schafft dadurch einen vielfältigen Nutzen:

  • höhere Losgrößen, vormontierte Baugruppen und optimierte Lagerhaltung in der Produktion/Montage
  • prüfbare Baugruppen und beherrschbare Prozesse in der Qualitätssicherung
  • auftragsneutrale Baugruppen und geringere Varianz in der Logistik/Disposition
  • Transparenz, Modularisierung, Standardisierung und eine daraus resultierende verringerte Varianz sowie ein geringerer Pflegeaufwand in der Konstruktion
  • einfachere und schnellere Angebots- und Auftragsabwicklung sowie verbessertes Variantenmanagement und effektivere Kalkulation im Vertrieb
  • erhöhte Effizienz in Versand und Transport
  • verringerte Varianz und erhöhte Verfügbarkeit von Ersatzteilen im Service
  • und vor allem: bessere und wirtschaftlichere Lösungen für den Kunden

Auf dem Weg zu einem profitablen modularen Baukastensystem ist Mediseal bereits eine große Strecke gegangen. Das Unternehmen hat erfolgreich eine modulare Architektur definiert und implementiert. Damit der modulare Baukasten auch langfristig erfolgreich ist, stellt sich Mediseal nun der Herausforderung, die Unternehmensprozesse an die Modularisierung anzupassen, um so eine nachhaltige Steuerung (Governance) des modularen Systems zu etablieren.

Das folgende Bild zeigt das modulare System Blister Expert von Mediseal, das komplett modular entwickelt wurde und sich individuell an die Bedürfnisse der Kunden anpassen lässt. (Quelle: blister-expert.com).

mediseal-modulare-maschine

Die Entwicklung hin zu einem konfigurierbaren Produktsortiment ist für Mediseal noch nicht abgeschlossen. Dr. Schmidthals konnte aber schon einige wichtige Erkenntnisse aus dem bisherigen Verlauf des Projekts teilen:

  • Die Geschäftsziele sollten als Kompass zu Beginn des Projekts konkretisiert werden.
  • Den Kundenbedarf zu verstehen, ist das Fundament für eine agile Produktstruktur.
  • Abteilungsübergreifendes Arbeiten gewährleistet den Erfolg.
  • Das Management muss die Transformation aktiv unterstützen.

Dr. Leif Östling, ehemals Scania:

Kundenindividuelle Produkte bei hoher Profitabilität: Success Story Scania

Warum sich Kunden für Scania entscheiden? –Sie vergleichen den Fahrzeugpreis mit dem Wert, der mit dem Fahrzeug über die Nutzungsdauer erwirtschaftet werden kann. Mit dieser Feststellung stieg Dr. Leif Östling in seinen Vortrag über die Erfolgsgeschichte von Scania ein. Der angesprochene Wert ergibt sich laut Östling aus dem Umsatz, der mit einem Fahrzeug erwirtschaftet werden kann, abzüglich der Kosten und unter Berücksichtigung des Restwerts zum Ende der Nutzungsdauer. Der Umsatz hängt dabei von folgenden Faktoren ab: hohe Verfügbarkeit, passende Leistungsdaten, Servicequalität und ein optimierter ökologischer Fußabdruck. Die Kosten wiederum ergeben sich als Summe aus Reparatur- und Wartungskosten, Treibstoffverbrauch, Fahrer-Trainingskosten sowie Kosten für das Flottenmanagement.

Je nach Kunde und Nutzungsszenario unterscheidet sich also die Zusammensetzung dieser Kosten. Die Herausforderung besteht nun darin, für diverse Kunden und Kundenanforderungen ein individuell passendes Produkt anzubieten, das beim Vergleich von Nutzungsdauer-Wert und Anschaffungskosten eine positive Bilanz aufweist.

Die unten stehende Vergleichsgrafik illustriert, wie unterschiedlich die Anforderungen verschiedener Kundensegmente sein können (Quelle: Scania):

scania-modularisierung-produkte

Der modulare Baukasten ermöglicht es Scania, die Bedarfe der Kunden mit den eigenen unternehmerischen Zielen zu verzahnen. Kunden bekommen eine individuell angepasste Lösung, die einen hohen Nutzen bei geringen Betriebskosten bieten. Auf Unternehmensseite gelingen dank Baukasten eine kosteneffiziente Entwicklung und Produktion.

scania-modularer-baukasten

Der Schlüssel zur Effizienzsteigerung liegt in der Reduktion technischer Teilevarianten. Anhand des Baukastens gelang es Scania, die technische Teilevielfalt um mehr als 50 Prozent zu reduzieren. Diese Reduktion an Komplexität führte zu erheblichen Verbesserungen:

  • 30 bis 50 Prozent Reduktion an Aufwendungen in Forschung und Entwicklung
  • 5 bis 10 Prozent Reduktion der Produktionskosten
  • 30 Prozent Kostenersparnis bei der Schulung von Mechanikern

Die Kernelemente dieses Baukasten-Systems sind die Module, die in den benötigten Varianten vorliegen, außerdem standardisierte Schnittstellen, die es ermöglichen verschiedene Modulvarianten zu verbinden, sowie eine vereinheitlichte Produktstruktur als Bauplan für die Produkte.

Dr. Östling hob besonders die Definition der Schnittstellen (Interfaces) hervor, deren passende Definition die Voraussetzung für einen funktionierenden Baukasten ist. Bei der Festlegung der Schnittstellen müssen alle geplanten Modulvarianten beachtet werden. Im Bauraum beispielsweise sollte gewährleistet sein, dass alle Leistungsvarianten eines Moduls Platz darin finden.

Bei der Definition der verschiedenen Leistungsvarianten der Module zeigt sich, dass Scania seinen Baukasten vom Kundenbedarf ableitet. Der Kundenbedarf wird in sogenannten „User Factors“ beschrieben, die etwa der Straßenzustand oder die Haltefrequenz im jeweiligen Anwendungsfall sein können. Dieser Outside-In-Ansatz bei der Definition von Leistungsvarianten sorgt dafür, dass diese optimal am Bedarf des Kunden orientiert sind. Zusammenfassend lassen sich drei Grundprinzipien des Scania-Baukastensystems nennen:

  • besonders sorgfältig bei der Schnittstellen-Definition vorgehen
  • Leistungsschritte passend zum Kundenbedarf wählen
  • gleiche technische Lösungen für gleiche Anforderungen

Das System, das auf diesen Prinzipien errichtet wurde, verschafft Scania einen erheblichen Wettbewerbsvorteil und macht das Unternehmen zum profitabelsten in seiner Branche. Den Abstand zur Konkurrenz verdeutlicht ein Vergleich der Variantenvielfalt pro Fahrzeugvariante mit dem Wettbewerber Volvo:

  • Scania: 3 Fahrzeugvarianten pro Teilevariante
  • Volvo: 1,3 Fahrzeugvarianten pro Teilevariante (trotz Angebotsstandardisierung)

Eine wichtige Botschaft Dr. Östlings war schließlich diese: Auch wenn Scania mit dem modularen Baukasten schon jetzt viel erreicht hat, so sei Modularität jedoch ein Weg der kontinuierlichen Verbesserung. Die Erfolgsstory geht also weiter.

Sie fragen sich, wie ein modularer Baukasten in Ihrem Unternehmen und für Ihr Produkt gelingen kann? Dann entdecken Sie in unserem Blogartikel, wie Sie die passende modulare Produktarchitektur definieren (inkl. Schritt-für-Schritt-Anleitung):

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Unternehmensziele und Kundenbedarf im Modulbaukasten verankern

Hohe Profitabilität bei kundenindividuellen Produkten – sind diese Gegensätze vereinbar? Das war die zentrale Frage beim ZAM-Treffen in Niedersachsen. Anhand praktischer Beispiele konnten die Zuhörer nachvollziehen, wie es möglich ist, diese auf den ersten Blick widersprüchlichen Ziele zu erreichen. Eine Grundvoraussetzung ist das Verständnis dafür, wie Kundenanforderungen und Unternehmensziele in Einklang gebracht und dann in Produktsortimente überführt werden können. Ziel ist eine flexible modulare Produktarchitektur, die in der gesamten Organisation verankert ist.

Das Ergebnis sind konfigurierbare Produkte, Services und Dienstleistungen bei steigender Vielfalt und vereinfachter Handhabung. Zudem lassen sich unternehmerische Herausforderungen ganzheitlich lösen, statt immer wieder in Teilbereichen nachzubessern. Dass sich dadurch Kosten erheblich reduzieren, ergibt sich von selbst. 

Fragen Sie sich, welche finanziellen Potenziale Sie mit einem modularen Baukasten für Ihr Unternehmen heben können? – Dann lesen Sie jetzt unseren Blogartikel zum Thema - Kosten senken, Umsatz steigern: Die finanziellen Potenziale der Modularisierung:

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