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Technologietrends mit einem Baukastensystem schnell umsetzen

Neue Technologietrends und die Notwendigkeit hierbei Schritt zu halten sind Herausforderungen, die Unternehmensführern in vielen Industrien heute schlaflose Nächte bereiten können. Die Elektrifizierung von Antriebstechnologien, maschinelles Lernen, integrierte Sensorik und Big Data sind hier nur einige Beispiele für Trends, die inzwischen voll in der Industrie angekommen sind.

Baukastensystem_Technologietrends

Für viele Unternehmen bedeuten diese Veränderungen, dass das angebotene Produktportfolio deutlich komplexer wird. Kurzfristig sind sie gezwungen Produkte mit der bisherigen Technologie und gleichzeitig Produkte mit neuen Technologien anzubieten. Die Herausforderung wächst mit der Diversität verschiedener Technologien, die berücksichtigt werden sollen. Die Kombination von diversen Kundenanforderungen und verschiedenen Technologien führen so schnell zu komplexen Produktportfolios.

Schon in unseren Blogs wie Klassische Produktentwicklung VS Modulare Produktentwicklung oder Was zeichnet ein gutes modulares System aus haben wir die Vorteile eines Baukastensystems für die Entwicklung, Steuerung und Optimierung vielfältiger Produktportfolios diskutiert: Ein etabliertes modulares Baukastensystem vereinfacht die Einführung neuer Technologien und die Anpassung an sich ändernde Kundenbedürfnisse deutlich. SCANIA hat dies auf beeindruckende Weise mit seiner neuesten Generation voll-elektrischer und Hybrid-LKWs bewiesen

In diesem Blog stellen wir zwei alternative Vorgehen für die Einführung neuer Technologien bei existierenden modularen Baukastensystemen vor. Wir werden zeigen, dass beide Alternativen Vor- und Nachteile mit sich bringen und das richtige Vorgehen entsprechend den Voraussetzungen und Zielen gewählt werden sollte. 

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2 verschiedene Ansätze zum Umsetzen neuer Technologien

Für diesen Blogartikel betrachten wir die Ausgangssituation eines auf einem modularen Baukasten basierenden Produktportfolios, für das eine tiefgreifende Technologieänderung umgesetzt werden soll. Wir bedienen uns hier des Beispiels eines Automobilherstellers, der den Wechsel von konventionellen zu elektrischen Antrieben umsetzen will. 

Für diese Zielsetzung bieten sich zwei alternative Vorgehen an: 

  1. Anpassung des existierenden Baukastensystems:  
    Die Änderung kann auf Basis der existierenden modularen Produktarchitektur umgesetzt werden. Dies setzt voraus, dass die Konzepte zur Elektrifizierung des Antriebs mit der Produktarchitektur kompatibel sind. In diesem Fall kann die Elektrifizierung durch die Entwicklung entsprechender neuer Modulvarianten umgesetzt werden. Die Umsetzung der Technologieänderung und die Umstellung des Portfolios sind in diesem Fall in relativ kurzer Zeit möglich. 
  2. Entwicklung eines neuen Baukastensystems:  
    Die Technologieänderung wird durch die Entwicklung eines neuen Baukastensystems umgesetzt. Hierbei kann die Architektur für den Einsatz der neuen Technologie optimiert werden. Im Fall der Elektrifizierung von Fahrzeugen kann dies z.B. die Änderung der Position von Motor und Batterie sein. Dieser Weg sollte gewählt werden, wenn die Konzepte zur Umsetzung der neuen Technologie schlecht kompatibel mit der existierenden Produktarchitektur sind. Bei einer solchen umfassenden Anpassung der Produktstrukturierung bietet es sich auch an, weitere absehbare Technologiewandel einzubeziehen. Ein Beispiel hierfür ist der Wechsel von der ersten zur zweiten Generation elektrischer Fahrzeuge bei KIA/Hyundai, in dessen Rahmen zusätzlich der Technologiewandel hin zum autonomen Fahren berücksichtigt wurde. 

In beiden Fällen folgt die Erstellung bzw. Anpassung der modularen Produktarchitektur des Baukastensystems einem ähnlichen Vorgehen, dass sich wie in der folgenden Grafik vereinfacht dargestellt in fünf Schritten beschreiben lässt. Wie in der Grafik angedeutet handelt es sich um ein iteratives Vorgehen. 

Baukastensystem_Technologiewandel_Vorgehen

Vorgehen 1: Anpassung des existierenden Baukastensystems 

Wir betrachten die Umsetzung des generischen 5-Schritt-Vorgehens für den Fall der Anpassung eines existierenden Baukastensystems im Kontext des Beispiels der Elektrifizierung eines Portfolios von Automobilen.  

Marktstudien haben für diesen Fall gezeigt, dass während der nächsten 10-15 Jahre mit der parallelen Nutzung verschiedener Antriebstechnologien gerechnet werden muss, so dass die Entscheidung getroffen wurde, in das existierende Baukastensystem zu investieren und dieses anzupassen.  

Ein solches breites Portfolio, das sich über elektrisch und konventionell angetriebene Fahrzeuge erstreckt, ermöglicht signifikante Skaleneffekte insbesondere bei Bauteilen, die nicht von der Antriebstechnologie betroffen sind. Die folgende Abbildung zeigt für jeden der fünf Schritte den entsprechenden Fokus bei der Durchführung:

Technologiewandel_Baukastensystem_anpassen

Vorgehen 2: Entwicklung eines neuen Baukastensystems 

Auch den Fall der Umsetzung des generischen 5-Schritt-Vorgehens für die Entwicklung eines neuen Baukastensystems können wir am Beispiel der Elektrifizierung eines Fahrzeugportfolios detaillierter betrachten. Die Wahl dieses Weges wäre dann sinnvoll, wenn Marktstudien zeigen, dass es zur Absicherung der langfristigen Profitabilität von Portfolio und Baukastensystem einer neuen modularen Produktarchitektur bedarf, die auf zukünftige Antriebstechnologien hin optimiert ist. 

Diese neue Architektur ist konsequenter an den zukünftigen Marktanforderungen ausgerichtet, während die existierenden Produktarchitekturen die aktuellen Marktanforderungen abdecken. Die folgende Grafik zeigt auch hier den entsprechenden Fokus in den fünf Schritten für diesen Fall. 

Technologiewandel_Baukastensystem_neu

Vor- und Nachteile von Anpassung und Entwicklung eines Baukastensystems

Die folgende Tabelle zeigt den Vergleich der beiden beschriebenen Fälle. Es wird schnell ersichtlich, dass je nach Zielsetzung sowohl die Anpassung einer existierenden Produktarchitektur als auch die Entwicklung eines neuen Baukastensystems sinnvoll sein kann. 

Die Wahl eines Vorgehens muss sich daher, wie schon in unseren Beispielfällen beschrieben, an den Bedürfnissen des Marktes sowie an den strategischen Zielen des Unternehmens orientieren.

Technologiewandel_Baukastensystem_Vorteile

Auswahl des passenden Vorgehens für Ihr Unternehmen und für Ihre Kunden

Der Vergleich im Vorgehen zeigt, dass es in beiden Fällen Vor- und Nachteile gibt.  Bei der Auswahl des passenden Vorgehens sollten zwei wichtige Aspekte berücksichtigt werden: 

  • Zukünftige Entwicklung von Marktbedürfnissen in den Zielmärkten und Technologien. 
  • Aktuelle Situation des Unternehmens und der Produktarchitektur und welche zukünftigen Geschäftsziele angestrebt werden. 

Entwicklung von Marktbedürfnissen und Technologien 

Zur Abschätzung der Marktentwicklung bieten sich Vorgehen aus den Bereichen der Szenariotechnik und der Trendanalyse an. Ziel ist es, eine belastbare Annahme darüber zu treffen, wie sich die Anforderungen des Marktes in Zukunft entwickeln und Antworten darauf zu finden, wie sich das eigene Produktportfolio entwickeln muss, um mit den Anforderungen des Marktes Schritt zu halten. Die neuen Anforderungen des Marktes können Treiber sein, die Technologiewechsel wie Elektrifizierung oder Automatisierung notwendig machen. Gleichzeitig bietet die Reifung zukünftiger Technologien auch neue Möglichkeiten, Produkte zu entwickeln und anzubieten, die die Bedürfnisse der Kunden besser erfüllen. 

Leseempfehlung: In dem Artikel „Futures Studies in Innovation Processes [EN]“ unserer Kollegen in Schweden erfahren Sie mehr darüber, wie Sie Zukunftsstudien zur Abschätzung der Marktentwicklung nutzen können. 

Reifegrad der Produktarchitektur 

Eine flexible Produktarchitektur ist eine stabile Basis, um sich neuen Rahmenbedingungen durch die Veränderung von Markt und Technologie anzupassen. Eine solche Produktarchitektur bietet die Möglichkeit, das Vorgehen zu wählen, dessen Vorteile am besten zu den zukünftigen Anforderungen an das Baukastensystem passen – sei das eine möglichst breite Produktarchitektur, die neue und alte Technologien umfasst, oder eine zukunftsgerichtete Architektur, die auf die Optimierung der Profitabilität durch Nutzung zukünftiger Technologien abzielt. 

Der aktuelle Zustand der Produktarchitektur spielt also auch eine Rolle bei der Auswahl des passenden Vorgehens. In unserem Beispielfall sind wir von einem etablierten und profitablen modularen Baukastensystem ausgegangen, die Realität sieht in vielen Unternehmen aber anders aus. Die folgende Grafik zeigt hierzu verschiedene Reifegrade, die wir bei Modular Management nutzen, um Produktarchitekturen zu bewerten. 

Leseempfehlung: In unserem Blogartikel „Wie modular sind sie wirklich?“ erfahren Sie, wie sie den Reifegrad Ihres Baukastensystems bewerten können. 

Baukastensystem_Reifegradmodell

Zukunftstechnologien erfolgreich in einem Baukastensystem umsetzen

„Nichts ist so beständig wie der Wandel“, Heraklit von Ephesus, 535-475 v. Chr.

Dieses berühmte Zitat des griechischen Philosophen beschreibt die Herausforderungen aber auch die Chancen, mit denen Unternehmen konstant konfrontiert sind. Die Anforderungen der Märkte verändern sich und gleichzeitig werden neue Technologien marktreif und für den Einsatz verfügbar.

Diese Kombination führt zwangsläufig dazu, dass immer wieder Technologieupdates durchgeführt werden müssen, um auch weiterhin Produkte anzubieten, die konkurrenzfähig sind und den Ansprüchen und Bedarfen der Kunden gerecht werden. Hierbei kommt es zu Überschneidung von Technologien im angebotenen Produktportfolio – es werden gleichzeitig Produkte angeboten, die gleiche Probleme mit unterschiedlichen Technologien lösen, dies führt zu zusätzlicher Komplexität.

Um Komplexität zu optimieren und Profitabilität abzusichern bedarf es eines passenden Vorgehens für die Einführung und den zielgerichteten Wechsel von Technologien.
In diesem Blog haben wir zwei alternative Vorgehen zur Umsetzung eines Technologiewechsels in einem Produktportfolio vorgestellt, das auf einem modularen Baukastensystem basiert. Beide Ansätze folgen einem vergleichbaren generischen Vorgehen in fünf Schritten, setzen aber jeweils den Fokus in den einzelnen Schritten unterschiedlich.


Wir haben gesehen, dass beide Alternativen Vor- und Nachteile bieten und dass bei der Auswahl sowohl die Entwicklung der externen Rahmenbedingungen als auch die aktuelle Unternehmenssituation und zukünftig strategische Ausrichtung berücksichtigt werden müssen.
Wenn Sie sich für den Reifegrad Ihrer Produktarchitektur interessieren und ermitteln wollen, in welchen Unternehmensbereichen Sie am meisten von einer verbesserten Produktarchitektur profitieren würden, empfehlen wir Ihnen unsere Evaluierung der Potenziale eines modularen Baukastens für Ihren Unternehmens- und Produktkontext:

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