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Modularisierung aus dem App-Store – Geht das?

Wie die WHU Benchmarking-Studie Modularisierung herausgefunden hat, ist die technische Modularisierung von Produkten der erste notwendige Schritt, um die Vorteile für den Unternehmenserfolg zu erschließen. Die ganzheitliche Implementierung der modularen Produktentwicklung in die Organisation muss aber folgen.

Die Entwicklung von modularen Baukästen unterscheidet sich erheblich von der klassischen Produktentwicklung. Die Herausforderung ist es, diese neue Art der Entwicklung in den verschiedenen Unternehmensbereichen „zum Laufen zu bringen“.

Wir kennen es von unseren Smartphones – Benötigen wir eine neue Funktionalität, suchen wir uns die passende App aus dem App-Store, laden diese auf unser Smartphone und schon können wir die neue Funktionalität nutzen.

Kann es mit Modularisierung genauso funktionieren? Können wir uns die App-Modularisierung aus dem App-Store einer Beratung in unsere Organisation laden und so unsere Art zu entwickeln umstellen?

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Modularisierung kann nicht einfach wie eine App installiert werden

Stellen Sie sich Ihre Organisation als Hardware vor und Ihre Unternehmenskultur als Ihr Betriebssystem. Die „App“ Modularisierung bekommen sie gewissermaßen als Download von verschiedenen Unternehmensberatungen, die fertige off-the-shelf Lösungen inkl. Methoden, Software und Prozessen anbieten. 

Wenn Sie so eine „App“ nun in Ihr Unternehmen laden wollen, werden Sie schnell eine Fehlermeldung bekommen – die Hardware und das Betriebssystem sind nicht kompatibel mit der neuen App. Es ist eigentlich nicht verwunderlich, dass eine off-the-shelf Lösung für Modularisierung nicht zu Ihrem Unternehmen und Ihren Herausforderungen passt.

Der Grund: Modulare Produktentwicklung unterscheidet sich von klassischer Produktentwicklung und zusätzlich ist Ihr Unternehmen in seiner Organisation und Kultur einzigartig.

Modularisierung-Beratung-App

Modularisierung ist anders

Bei der klassischen Produktentwicklung werden verschiedene Produkte und Produktvarianten in unterschiedlichen Entwicklungsprojekten entwickelt. Diese Entwicklungsprojekte laufen unabhängig voneinander parallel oder sequentiell ab.

Bei der Entwicklung eines modularen Baukastens, der eine Vielzahl von Produkten und Produktvarianten umfasst, werden diese zuvor unabhängigen Projekte unter dem Schirm des Baukastens zusammengeführt.

Hierzu müssen die Anforderungen an alle Produktvarianten schon zu Anfang bekannt sein. Entsprechend dieser Anforderungen wird ein gemeinsames Konzept für die Komponenten und Schnittstellen über alle Produktvarianten hinweg entwickelt. Diese Vorverlagerung des Aufwandes wird als Frontloading bezeichnet. Dieses Vorgehen hat natürlich Auswirkungen auf die Schnittstelle zwischen Entwicklung, Vertrieb und Marketing.

Wo vorher viele verschiedene Personen individuelle Baugruppen für individuelle Produktvarianten entwickelt haben, müssen Sie das Wissen aus vielen verschiedenen  Köpfen zusammenführen. Nur so kann ein Baukasten entstehen, aus dem sich die verschiedene Produktvarianten bedienen können.

Daneben gilt es, neue Vorgehensweisen und Methoden zur Modularisierung kennenzulernen und deren Anwendung zu verstehen. Hier gilt es, Erfahrungen zu sammeln, damit Ihre Mitarbeiter in deren Anwendung sicher werden. Und Erfahrung bekommt man bekanntlich nur durch „Üben und Ausprobieren“.

Organisationen sind einzigartig

Jede Organisation hat Ihren ganz eigenen Kontext und Ihre eigene Historie mit den dazugehörigen Glaubenssätzen und individuellen Verhaltensweisen. Jeder der schon einmal aktiv oder passiv an Veränderungsprozessen beteiligt gewesen ist, weiß, dass es problematisch ist, einen Prozess einer Organisation aufzuzwingen. Es ist meist sinnvoller ein Vorgehen an den individuellen Kontext einer Organisation anzupassen. Was ist an Ihrer Organisation einzigartig?

Es ist nicht leicht der Verlockung einer Erfolgsgeschichte zu widerstehen. Wenn Sie einmal eine der einschlägigen Konferenzen für die Themen Modularisierung, Varianten- oder Komplexitätsmanagement besucht haben, werden Sie solche Erfolgsgeschichten gehört haben. Unternehmen berichten, wie sie mit modularen Baukästen schneller geworden sind und Kosten gespart haben. Die erste Reaktion ist: „Das will ich auch!“.

Sie müssen hierbei bedenken, dass ein Modularisierungsprojekt im Kontext einer Unternehmensorganisation vor dem Hintergrund ganz individueller Unternehmensziele für dieses Projekt stattfindet. Wenn Sie nicht die gleiche Organisation haben, nicht in der gleichen Branche tätig sind, nicht die gleiche Unternehmenskultur leben, nicht die gleichen Herausforderungen bewältigen wollen, …, so ist es unwahrscheinlich, dass Sie mit dem gleichen Vorgehen ähnlich erfolgreich sein werden.

Modularisierung zum Laufen bringen

Auch wenn Modularisierung anders ist und jede Organisation ein einzigartiges Umfeld bietet, so wollen wir hier trotzdem einige Prinzipien beschreiben, die Sie nutzen können, um Modularisierung in Ihrer Organisation „zum Laufen zu bringen“.

Das individuell für Ihr Unternehmen passende Vorgehen finden: Sie sollten der Verlockung von Standardlösungen widerstehen, auch wenn diese mit beeindruckenden Erfolgsgeschichten beworben werden. Stattdessen sollten Sie aus der Vielfalt verschiedener Modularisierungsmethoden schöpfen und sich das für Sie passende Methodenset zusammenstellen. So stellen Sie sicher, dass das Vorgehen zu Ihrem Unternehmen mit seinen individuellen Herausforderungen passt.

Als erstes gemeinsame Ziele und Intentionen für ein Modularisierungsprojekt erarbeiten: Modularisierung und modulare Baukästen sind Schlagwörter, unter denen sich jeder in Ihrem Unternehmen etwas vorstellen kann. Wahrscheinlich werden die Vorstellungen der Mitarbeiter und Bereiche aber nicht die Gleichen sein. Da Modularisierung kein Selbstzweck ist, sondern ein Werkzeug zum Erreichen Ihrer Unternehmensziele, ist die Definition der Ziele für ein Modularisierungsprojekt der erste Schritt. Alle beteiligten Bereiche müssen hierbei eingebunden werden, so dass Sie ein gemeinsames Zielbild erzeugen.

Eine Pilotgruppe nutzen, um das Thema zu erkunden: Wenn sich Ihre Organisation auf den beschwerlichen Weg zu einem modularen Baukasten begibt, sollten Sie Irrwege vermeiden. Eine interdisziplinäre Pilotgruppe kann helfen das Thema zu erkunden und so den besten Weg für Ihr Unternehmen zu finden, bevor der Rest der Organisation folgt.

Ihre Pilotgruppe findet den besten Weg durch das Gebirge zum Gipfel, dem modularen Baukasten:Modularisierung-Beratung-Pilotgruppe

 

Von Anfang an interdisziplinär arbeiten: Der Wechsel zur modularen Produktentwicklung betrifft nicht nur Ihre Entwicklungsabteilung. Auch Ihr Einkauf, die Fertigung, das Marketing und der Verkauf sind betroffen. Sie sollten vermeiden, dass Ihre Entwicklung hinter verschlossenen Türen ein Konzept entwickelt und dieses erst wenn es fertig ist den anderen Abteilungen vorstellt. Solche Lösungen stoßen häufig auf Ablehnung. Durch das frühe Einbeziehen aller betroffenen Abteilungen können deren Anforderungen einbezogen und so die Unterstützung sichergestellt werden.

Beratung für Modularisierung muss neue Wege gehen

Die Unternehmensführung entscheidet sich dazu, ein strategisches Thema durch externe Beratung unterstützen zu lassen. Daraufhin landet ein Team von „Experten“, wie von einem Hubschrauber abgesetzt, in Ihrer Organisation. Nach einer kurzen Analysephase präsentieren die Experten eine fertige Lösung, z.B. die Baukastenstruktur, mit der auch schon Volkswagen erfolgreich war. Nun wird diese Lösung zur Implementierung abgegeben und die Experten verschwinden wieder mit ihrem Helikopter.

Nach anfänglicher Euphorie muss das Kundenunternehmen feststellen, dass die Implementierung nicht so einfach ist und die Lösung der Experten nur bedingt zum Unternehmen und den individuellen Herausforderungen passt  – Kommt Ihnen das bekannt vor? Haben Sie ähnliches schon in Projekten mit externer Beratung erlebt? Nach diesem klassischen Beratungsansatz arbeiten immer noch viele Beratungsunternehmen.

Bei einer so komplexen und unternehmensindividuellen Aufgabe wie dem Implementieren einer modularen Produktentwicklung scheitert dieser klassischer roll-out-Ansatz. Um erfolgreich und nachhaltig modulare Baukästen zu entwickeln und organisatorisch zu verankern müssen Unternehmen und Berater neue Wege gehen. Ein Paradigmenwechsel ist nötig.

Das Wissen innerhalb der Unternehmensorganisation muss aktiviert und integriert werden – Ihre Mitarbeiter sind die Experten für Ihr Produkt und auch für die Arbeitsweisen in Ihrem Unternehmen. Daher können Lösungen auch nur innerhalb der Organisation entwickelt und implementiert werden. Der Berater nimmt hierbei die Rolle eines Coaches ein, der mit Methodenwissen und Erfahrung unterstützt. Wir sprechen dann von Co-Creation.

In der Grafik sehen Sie die Gegenüberstellung vom klassischen Roll-Out und Co-Creation.

Modularisierung-Beratung-Co-Creation

Wenn sie also Modularisierung in Ihrem Unternehmen zum Laufen bringen wollen, ist es leider nicht so einfach, wie der Download einer neuen App für Ihr Smartphone. Aber es ist machbar!

Mit den richtigen Prinzipien und Unterstützung, die auf Ihr Unternehmen mit seinen individuellen Herausforderungen eingeht, gelingt eine erfolgreiche Umsetzung.

Informieren Sie sich in unserem E-Book „Modularisierung erfolgreich in Ihrer Organisation verankern“ über weitere Werkzeuge, um Modularisierung in Ihrem Unternehmen zu implementieren:

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